Episiotomie – Typen, Prozess & Pflege

Die Episiotomie: Ein Einblick in den geburtshilflichen Eingriff

Geburt ist ein naturgewaltiger Prozess, der sowohl für die Mutter als auch für das Kind Herausforderungen und Risiken birgt. Ein Verfahren, das oft dazu verwendet wird, um den Geburtsvorgang zu erleichtern und mögliche Risiken für Mutter und Kind zu minimieren, ist die episiotomie.

Was ist eine Episiotomie?

Eine episiotomie ist ein chirurgischer Eingriff, der während der vaginalen Geburt durchgeführt wird, um den Geburtskanal zu erweitern und somit eine leichtere Geburt des Kindes zu ermöglichen. Der Prozess involviert einen Schnitt, der am Perineum – dem Bereich zwischen der vagina und dem Anus – gemacht wird. Dieses Verfahren kann notwendig sein, um Platz für die Geburt des Kindes zu schaffen, besonders wenn es Anzeichen von Stress oder einer schwierigen Geburt gibt.

Zwei Hauptarten der episiotomie sind die „mediale“ oder „mittige“ episiotomie und die „mediolaterale“ episiotomie. Bei der medialen episiotomie erfolgt der Schnitt direkt nach hinten in Richtung Anus, während bei der mediolateralen episiotomie der Schnitt in einem Winkel zur Seite gemacht wird, um bestimmte Muskeln zu schonen und das Risiko von Rissen in Richtung Anus zu reduzieren.

Die Durchführung der Episiotomie bei der Geburt

Die Entscheidung zur Durchführung einer episiotomie kann von verschiedenen Faktoren abhängen, einschließlich der Position des Babys, seiner Größe und der Geschwindigkeit und Dynamik des Geburtsprozesses. Früher wurde die episiotomie als Routineverfahren betrachtet, um Geburtsverletzungen zu verhindern. Heute wird sie jedoch in vielen Ländern restriktiver und in erster Linie situationsabhängig eingesetzt.

Die episiotomie erfolgt in der Regel in der Austreibungsphase der Geburt, also wenn der Kopf des Kindes bereits sichtbar ist. Nachdem das Kind geboren ist und die plazenta ausgestoßen wurde, wird der Schnitt von einem Arzt oder einer Hebamme genäht und in den kommenden Wochen heilen.

Typen der Episiotomie

Die episiotomie ist ein chirurgischer Schnitt im Bereich des Dammes, der während der Geburt vorgenommen wird, um den Geburtskanal zu erweitern und eine erleichterte Entbindung zu ermöglichen. Obwohl es verschiedene Methoden der episiotomie gibt, werden hier vier Haupttypen näher erläutert.

Mediolaterale Episiotomie

Die mediolaterale episiotomie ist der am häufigsten durchgeführte Schnitttyp. Hierbei wird der Schnitt von der Vaginalöffnung aus in einem Winkel von etwa 45 Grad zur Seite (lateral) durchgeführt. Das Ziel dieses Schnitts ist es, genügend Platz für die Geburt zu schaffen, während gleichzeitig das Risiko von weiteren Rissen, die bis zum Anus reichen, minimiert wird. Die mediolaterale episiotomie wird oft bevorzugt, da sie im Vergleich zu anderen Typen weniger Komplikationen bei der heilung mit sich bringt und eine höhere Kontrolle über den Schnittverlauf ermöglicht.

Mediane Episiotomie

Die mediane episiotomie, auch mittige episiotomie genannt, bezeichnet einen senkrechten Schnitt, der direkt vom Eingang der vagina (Introitus vaginalis) aus nach hinten (medial) in Richtung Anus durchgeführt wird. Obwohl dieser Schnitttyp mit einem weniger schmerzhaften Heilungsprozess und einer geringeren Blutung während des Eingriffs in Verbindung gebracht wird, wird er weniger häufig durchgeführt als die mediolaterale episiotomie, da das Risiko eines Durchreißens bis zum Anus (Analsphinkter) erhöht ist.

Laterale Episiotomie

Die laterale episiotomie ist ein Schnitt, der seitlich (lateral) von der vagina weggeführt wird. Diese Form der episiotomie wird seltener angewendet und ist in einigen Ländern und Praxen weniger gebräuchlich, weil sie als technisch schwieriger zu nähen und mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Komplikationen, einschließlich Schmerzen und sexuellen Problemen nach der Geburt, verbunden ist.

Medio-Laterale Episiotomie (med.-lat. Episiotomie)

Der Begriff „med.-lat. episiotomie“ scheint eine Kombination aus den Begriffen „mediolateral“ und „medial“ zu sein und könnte eine unspezifische oder alternative Bezeichnung für die mediolaterale episiotomie darstellen. Die genaue Definition oder Unterscheidung dieses Begriffs könnte regional variieren. Allgemein sollte für eine präzise Kommunikation in der medizinischen Praxis einer der klar definierten Begriffe (mediolateral oder medial) verwendet werden, um Missverständnisse zu vermeiden.

Prozess und Heilung nach einer Episiotomie

Die Durchführung und heilung einer episiotomie – speziell der mediolateralen episiotomie – ist ein Prozess, der sowohl präzise medizinische Techniken als auch nachfolgende Pflege und Aufmerksamkeit erfordert.

Prozess der Episiotomie

  • Vorbereitung: Vor dem Schnitt wird der Bereich um den Damm herum gründlich gereinigt und desinfiziert.
  • Durchführung: Die episiotomie erfolgt üblicherweise während einer Wehe oder direkt vor der Geburt des Kindes. Nach lokaler Betäubung (oder bei bestehender Periduralanästhesie) wird mit einem Skalpell ein Schnitt gesetzt, dessen Form und Richtung von der Art der episiotomie abhängen.
  • Verschluss: Nach der Geburt und der Entfernung der plazenta wird der Schnitt genäht. Hierbei ist die Nahttechnik entscheidend, um eine gute heilung zu gewährleisten.

Episiotomie Nahttechnik

Die Nahttechnik ist essentiell für eine gute heilung und zur Minimierung von Komplikationen nach einer episiotomie. Es gibt verschiedene Methoden zum Nähen eines episiotomie-Schnitts, darunter:

  • Einzelfaden-Technik: Hierbei wird jeder Stich einzeln geknüpft.
  • Laufende Naht: Ein einziger Faden wird verwendet, um mehrere Stiche zu machen, ohne zwischen ihnen zu knüpfen.
  • Matratzennaht: Eine Technik, bei der der Faden durch beide Seiten der Wunde geführt und dann quer gespannt wird, bevor er verknotet wird.

Welche Technik verwendet wird, hängt oft von der Präferenz und Erfahrung des Arztes oder der Hebamme sowie vom speziellen Fall ab.

Mediolaterale Episiotomie Heilung und Dammschnitt Heilung

Die heilung nach einer mediolateralen episiotomie oder einem dammschnitt erfordert sowohl medizinische Pflege als auch persönliche Selbstpflege:

  • Unmittelbare Pflege: Unmittelbar nach der Naht wird der Bereich gereinigt und mit sterilen Verbänden abgedeckt.
  • Schmerzmanagement: Schmerzmittel und lokale kühlende Anwendungen können helfen, Schwellungen zu reduzieren und den Schmerz zu lindern.
  • Hygiene: Es ist wichtig, den Bereich sauber und trocken zu halten, um Infektionen zu vermeiden. Nach dem Toilettengang sollte von vorne nach hinten gewischt werden.
  • Physische Aktivität: Körperliche Aktivitäten sollten zunächst eingeschränkt und jeglicher Druck auf den genähten Bereich vermieden werden.
  • Sex: Mit dem Geschlechtsverkehr sollte gewartet werden, bis die Naht verheilt ist und jeglicher Schmerz abgeklungen ist.
  • Nachsorgeuntersuchungen: Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind wichtig, um den Heilungsprozess zu überwachen und mögliche Komplikationen frühzeitig zu erkennen.

Episiotomie Naht und Pflege

  • Kontrolle der Naht: Regelmäßige Kontrollen der Naht auf Anzeichen von Infektionen, wie Rötungen, Schwellungen oder eitrigen Ausfluss, sind essentiell.
  • Nutzung von Sitzbädern: Sitzbäder mit warmem Wasser können den Heilungsprozess fördern und Beschwerden lindern.
  • Verwendung von Kissen: Ein weiches Kissen oder ein spezielles Donut-Kissen können beim Sitzen für Erleichterung sorgen.
  • Vorsichtige Mobilisation: Sanfte Bewegungen und kleine Spaziergänge können die Durchblutung fördern und einer Versteifung der Muskulatur entgegenwirken.

Der gesamte Heilungsprozess nach einer episiotomie erfordert Geduld und pfleglichen Umgang mit dem eigenen Körper. Es ist zudem fundamental, bei Schmerzen, anhaltenden Beschwerden oder Auffälligkeiten medizinischen Rat einzuholen.

Pflege und Nachsorge nach einer Episiotomie

Die episiotomie, auch als dammschnitt bekannt, erfordert eine sorgfältige Pflege und Nachsorge, um eine optimale heilung und die Vermeidung von Komplikationen zu gewährleisten. Hierbei sind sowohl medizinische Versorgung als auch persönliche Selbstpflege von großer Bedeutung.

Episiotomie Pflege

  • Hygiene: Eine saubere Umgebung ist entscheidend, um Infektionen zu vermeiden. Nach jedem Toilettengang sollte vorsichtig von vorne nach hinten gereinigt werden, um Bakterien vom Analbereich fernzuhalten.
  • Kühlung: Um Schwellungen und Schmerzen zu minimieren, können Kühlpacks oder spezielle, kühlende Pads verwendet werden. Hierbei sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht direkt auf die Haut kommen, um Erfrierungen zu vermeiden.
  • Verwendung von Kissen: Weiche Kissen oder spezielle Sitzringe können helfen, den Druck auf den Damm während des Sitzens zu verringern.
  • Sitzbäder: Sitzbäder in warmem Wasser können ebenfalls Schmerzen und Schwellungen reduzieren und den Heilungsprozess unterstützen.
  • Schmerzmittel: Schmerzmittel wie Paracetamol können nach Rücksprache mit einem Arzt zur Schmerzlinderung eingenommen werden.
  • Sanfte Bewegung: Ein wenig Bewegung, wie kleine Spaziergänge, können hilfreich sein, die Durchblutung zu fördern, ohne den Heilungsprozess zu beeinträchtigen.
  • Stuhlmanagement: Es ist wichtig, Verstopfungen zu vermeiden, um unnötigen Druck auf die Wunde zu verhindern. Eine ballaststoffreiche Ernährung und ausreichend Flüssigkeit können hierbei unterstützend wirken.

Episiotomie Pflegemaßnahmen

  • Regelmäßige Kontrollen: Die Naht sollte regelmäßig auf Anzeichen von Infektionen oder andere Auffälligkeiten überprüft werden.
  • Heilungsprozess: Die heilung sollte stetig verlaufen. Jede Verschlechterung oder Auffälligkeiten wie ungewöhnliche Schmerzen, starke Rötungen oder unangenehme Gerüche sollten medizinisch abgeklärt werden.
  • Sexuelle Aktivität: Diese sollte erst wieder aufgenommen werden, wenn die episiotomie vollständig verheilt ist und keine Schmerzen mehr verursacht.
  • beckenbodentraining: Nach der heilung der episiotomie kann ein beckenbodentraining dabei helfen, die Muskulatur wieder zu kräftigen und möglichen Folgebeschwerden entgegenzuwirken.
  • Psychologische Unterstützung: Eine episiotomie kann auch emotional belasten. Hierbei kann der Austausch mit einem Arzt, einer Hebamme oder einem Therapeuten unterstützend wirken.
  • Nachsorgeuntersuchungen: Es ist essentiell, alle Nachsorgeuntersuchungen wahrzunehmen, um den Heilungsprozess zu überwachen und mögliche langfristige Probleme frühzeitig zu erkennen.

Komplikationen und Probleme im Zusammenhang mit der Episiotomie

Die episiotomie, eine chirurgische Erweiterung des Geburtskanals durch einen Schnitt im Dammbereich, hat zwar das Ziel, Geburtskomplikationen zu reduzieren, kann aber auch selbst mit einer Reihe von Komplikationen und Problemen einhergehen. Gleichzeitig ist die Entscheidung gegen eine episiotomie, also „keine episiotomie“, auch mit bestimmten Aspekten zu betrachten. Im Folgenden werden einige Punkte zu beidem aufgeführt.

Keine Episiotomie

  • Natürlicher Riss: Eine natürliche Geburt ohne episiotomie kann zu einem spontanen dammriss führen, welcher oft schmerzhafter und komplizierter in der heilung ist.
  • Kontrollierte Geburt: Manchmal wird eine bewusste Entscheidung gegen die episiotomie getroffen, um dem Gewebe die Möglichkeit zu geben, auf natürliche Weise zu dehnen.
  • Längerer Geburtsvorgang: Ohne episiotomie kann die Geburt länger dauern, da mehr Zeit für die Dehnung des Gewebes benötigt wird.
  • Schonende Verfahren: Es gibt Ansätze wie Perinealmassage oder warme Kompressen, die darauf abzielen, einen dammschnitt zu vermeiden und das Gewebe auf natürliche Weise zu dehnen.

Episiotomie Komplikationen

  • Infektion: Das Risiko einer Infektion der Schnittwunde ist eine häufige Komplikation und erfordert eine akkurate Wundpflege und möglicherweise Antibiotika.
  • Schmerzen: Anhaltende Schmerzen im Damm- und Analbereich können während und nach der Heilungsphase der episiotomie auftreten.
  • Blutungen: Übermäßige Blutungen sind eine mögliche Komplikation während und nach dem Eingriff.
  • Narbenschmerzen: Manche Frauen leiden unter länger andauernden oder chronischen Schmerzen im Bereich der episiotomie-Narbe.
  • Sexuelle Probleme: Schmerzen beim Geschlechtsverkehr können infolge einer episiotomie auftreten und teilweise auch längerfristig bestehen bleiben.
  • Schwierigkeiten beim Stuhlgang: Das Schmerzempfinden kann auch den Stuhlgang beeinträchtigen und Verstopfungen begünstigen.
  • Schwächung des Gewebes: Das Gewebe kann durch den Schnitt geschwächt werden, was in seltenen Fällen zu Problemen wie einem Vorfall der Beckenorgane führen kann.

Werkzeuge und Methoden für eine Episiotomie

Die Durchführung einer episiotomie erfordert spezielle medizinische Werkzeuge und Techniken, um sicherzustellen, dass der Eingriff sicher und so schmerzfrei wie möglich für die gebärende Frau ist.

Werkzeuge:

  • episiotomie Schere: Ein zentrales Instrument bei der Durchführung einer episiotomie ist eine spezielle Schere. Die episiotomie-Schere zeichnet sich durch ihre spezifische Form aus, oft ist eine der beiden Schneiden abgerundet, um die darunter liegenden Strukturen wie den Analschließmuskel vor Verletzungen zu schützen. Diese Schere wird genutzt, um einen präzisen Schnitt im Perineum (Damm) durchzuführen.
  • Nadeln und Fäden: Nach der Geburt und dem Herausziehen der plazenta muss die episiotomie vernäht werden. Hierfür werden spezielle Nadeln und Fäden verwendet, die oft resorbierbar sind, d. h., sie werden vom Körper nach einiger Zeit selbst abgebaut und müssen nicht entfernt werden.
  • Skalpell: In einigen Fällen wird ein Skalpell anstelle der Schere verwendet, um einen sauberen und präzisen Schnitt zu erzielen.
  • Sonden: Um den exakten Schnittwinkel und die Schnitttiefe zu bestimmen, können medizinische Sonden eingesetzt werden.

Methoden:

  • Vorbereitung: Bevor der Schnitt gesetzt wird, sollte der Damm möglichst gut vorbereitet werden. Eine lokale Betäubung (meist in Form einer Infiltrationsanästhesie) wird verabreicht, um den Schmerz beim Setzen des Schnittes zu minimieren.
  • Schnitttechnik: Abhängig vom Typ der episiotomie (mediolateral, median etc.) wird der Schnitt in einem bestimmten Winkel und einer spezifischen Länge durchgeführt.
  • Blutungsmanagement: Während und nach dem Schnitt muss die Blutung effektiv kontrolliert werden. Dies erfolgt durch Kompression, und im Nachgang durch sorgfältiges Vernähen der Wunde.
  • Nahttechnik: Die Nahttechnik ist entscheidend, um die heilung zu fördern und Komplikationen zu vermeiden. Hierbei sind die Tiefe, die Art der Naht und die verwendeten Materialien wichtig. Das Gewebe sollte in Schichten vernäht werden, um die Stabilität der Naht zu gewährleisten.
  • Nachsorge: Nach der Geburt ist eine sorgfältige Pflege der episiotomie-Naht notwendig, um Infektionen und weitere Komplikationen zu verhindern. Die Wunde sollte sauber und trocken gehalten werden, und regelmäßige Kontrollen sind essentiell, um den Heilungsprozess zu überwachen.

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